In Kachetien bewahrt Zaza Kbilashvili ein uraltes Handwerk: die Herstellung des Qvevri, jenes Tongefäßes, das als Sinnbild der georgischen Kultur gilt. Vor den Augen der Besucher baut er den Qvevri von Hand, erzählt seine Geschichte und teilt am reich gedeckten Tisch die lebendige Seele Georgiens.
Der Qvevri, ein lebendiger Schatz der georgischen Kultur
Georgien wird oft als die Wiege des Weins bezeichnet. Im Mittelpunkt dieser jahrtausendealten Tradition steht der Qvevri, ein großer, in die Erde eingelassener Tonbehälter, der seit etwa 8.000 Jahren zur Weinherstellung verwendet wird. Der Qvevri ist weit mehr als nur ein Gefäß: Er verkörpert überliefertes handwerkliches Können, lebendige Erinnerung und eine tiefe Verbundenheit mit der Erde und dem Wein. Im Jahr 2013 nahm die UNESCO die georgische Methode der Weinherstellung im Qvevri in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf.
Ein Handwerk, das von Kindheit an erlernt wurde
Auch heute lebt dieses Erbe dank leidenschaftlicher Handwerker weiter, die dieses Können mit Stolz weitergeben. Einer von ihnen ist Zaza Kbilashvili, ein Meister des Qvevri in Kachetien. Er gehört zu jenen, die die Tradition nicht nur bewahren, sondern sie mit Schlichtheit und Großzügigkeit all jenen näherbringen, die ihm begegnen.
„Ich war acht Jahre alt, als ich meinen ersten kleinen Qvevri herstellte“, erzählt er. „Mit den Jahren begann ich, immer größere Qvevri zu machen. Heute fertige ich Qvevri in großen Größen an.“
In seiner Stimme hört man die Geduld des Handwerkers, aber auch die tiefe Verbundenheit mit einer Praxis, die über mehrere Generationen weitergegeben wurde. Denn die Herstellung eines Qvevri hat weder mit Improvisation noch mit Schnelligkeit zu tun. Es ist eine anspruchsvolle, langwierige und präzise Arbeit, die Zeit, Erfahrung und eine große Beherrschung des Materials erfordert.
„Die Herstellung nimmt viel Zeit in Anspruch. Zuerst muss der Ton sorgfältig ausgewählt werden — er muss fest und geeignet sein. Danach beginnen wir, den Qvevri aufzubauen. Ja, wir formen ihn nicht einfach nur: Wir bauen ihn.“
Diese Unterscheidung ist wesentlich. Ein Qvevri wird nicht in einer einzigen Bewegung geformt. Er wächst langsam, Zentimeter für Zentimeter, in einem feinen Gleichgewicht zwischen Technik, Intuition und Tradition.
„Ich persönlich baue ihn in Abschnitten von etwa zehn Zentimetern auf. Anschließend bestreiche ich ihn innen mit Bienenwachs, damit der Wein darin richtig aufbewahrt werden kann. Am Ende muss der Qvevri entweder im Ofen gebrannt oder lange in der Sonne getrocknet werden.“
Durch seine Worte wird deutlich, dass der Qvevri nicht nur ein handgefertigtes Objekt ist. Er ist ein zentrales Element der georgischen Kultur, ein Bindeglied zwischen Erde, Rebe, Zeit und Geschmack. Zaza spricht mit bewegter Stimme über den Wein, der darin geboren wird und sich darin verwandelt.
„Ich bin glücklich und stolz auf diese einzigartige Tradition. Der Wein, der sich im Qvevri entwickelt, vergärt und reift, hat einen ganz besonderen Geschmack. Er unterscheidet sich deutlich von industriell produziertem Wein.“
Genau diese Überzeugung hat ihn dazu bewegt, seine Welt für ausländische Besucher zu öffnen. Bei ihm beschränkt sich die Begegnung nicht auf eine einfache handwerkliche Vorführung. Sie ist ein echtes Eintauchen in eine lebendige Tradition.
„Ich zeige ausländischen Touristen unsere Kultur gerne durch den Qvevri. Ich baue ihn vor ihren Augen auf, erkläre ihnen, was er für uns bedeutet und warum er so wichtig ist, und anschließend heiße ich sie an einem georgischen Tisch willkommen.“
Für die Besucher ist dieses Erlebnis oft besonders eindrucksvoll. Sie entdecken nicht nur ein seltenes Handwerk, sondern auch eine georgische Art des Empfangens, Weitergebens und Teilens.
„Die Besucher verfolgen die Herstellung des Qvevri und hören mir mit großem Interesse zu, wenn ich über unsere Traditionen spreche. Ich sehe ihr Staunen. Und wenn sie sich danach an den georgischen Tisch setzen, wird ihre Begeisterung noch größer.“
Denn bei Zaza Kbilashvili geht die Entdeckung des Qvevri ganz natürlich in georgische Gastfreundschaft über. Die handwerkliche Geste verbindet sich hier mit der Kunst des Empfangens, die in Georgien tief verwurzelt ist.
„Wir empfangen unsere Besucher mit großer Gastfreundschaft: Wir lassen sie unseren Wein kosten, servieren ihnen gute kachetische Gerichte, und wie sie selbst sagen, genießen sie diesen Moment sehr.“
Zaza Kbilashvili zu begegnen bedeutet weit mehr, als nur einem Handwerker bei der Arbeit zuzusehen. Es heißt, in eine Welt einzutreten, in der Ton zu Erinnerung wird, in der der Wein von einer ganzen Zivilisation erzählt und in der sich die georgische Tradition in ihrer aufrichtigsten Form offenbart: im Können, in der Weitergabe und in der Gastfreundschaft.
Für den Reisenden ist es eine seltene, authentische und zutiefst menschliche Erfahrung. Eine Gelegenheit, einen der einzigartigsten Schätze der georgischen Kultur mit eigenen Augen zu erleben und aus nächster Nähe zu verstehen.
